Die Sonne glitzert auf den Wellen, eine sanfte Brise füllt die Segel deiner SailCom-Yacht und deine Crew geniesst das pure Dolce Vita. In diesem Moment spürst du: Skippern ist kein Hexenwerk – wenn die Vorbereitung stimmt. Doch was macht eine:n gute:n Skipper:in eigentlich aus?
In der Segelschule hast du das Fundament bereits gelernt: Manöver, Technik und Rollenverteilung. Als Schiffsführer:in trägst du nun jedoch die Verantwortung für das gesamte Erlebnis – und diese geht weit über das reine Segelsetzen hinaus. Dein Ziel ist es, jederzeit die Sicherheit von Mensch und Material zu garantieren, ohne dabei unnötig Autorität zur Schau zu stellen. Souveränität statt strenger Kommandos sorgt für die nötige Entspannung an Bord.
Damit dein nächster Törn für alle unvergesslich schön wird, haben wir hier die wichtigsten Skipper-Tipps für dich zusammengestellt.
1. Die Vorbereitung
Ein guter Törn beginnt schon vor dem loswerfen der Leinen im Hafen.
Denn wer gut vorbereitet ist, bleibt auch bei auffrischendem Wind cool.
Wetter & Wind:
Check’ nicht nur ob es regnet, sondern vor allem die Windvorhersagen, die Gewitterneigung und im Revier vorkommende, speziellen Winde.
Für die Wettervorhersage ist eine App wie z.B. die von MeteoSchweiz hervorragend geeignet, lokale Winde treten je nach Wetterlage auf und werden in den Revierinfos zum Boot beschrieben.Know-how:
Studiere das Bootshandbuch und die Revierinfos vor dem Auslaufen!
Wo finde ich den Bootshaken, wie funktioniert der Motor und wie kann ich die Segel reffen, wenn es nötig wird?
Was muss ich im Hafen beachten und wo lauern Untiefen oder Fahrverbotszonen?
In den Dokumenten, die auf der Webseite beim Boot verlinkt sind, findest Du alle Infos zu Boot, Revier und Windverhältnissen, die Du benötigst!Sicherheit zuerst:
Wo findest Du Schwimmwesten, Feuerlöscher und Notpaddel?
Bei fast jedem Boot oder Segelrevier gibt es sicherheitsrelevante Spezialitäten, die Du im Fall der Fälle kennen solltest.Die Crew:
Wer kann schwimmen? Personen die nicht sicher genug schwimmen können, müssen an Bord immer eine Rettungsweste tragen, alle anderen spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem Du es anordnest.
Plane Deinen Törn auch nach den Fähigkeiten der Crew – Personen, die das erste mal an Bord eines Segelbootes sind, fühlen sich schneller unsicher. Nimm darauf Rücksicht und freu’ Dich auf strahlende Gesichter!
Und: Pack’ genug Wasser, Snacks und Sonnencreme ein – eine hungrige und durstige Crew meutert schneller! 😉
2. An Bord: Dein Schiff, deine Regeln

An Bord findest Du in der Regel eine Checkliste.
Arbeite diese von oben nach unten ab.
So lernst Du das Boot kennen und entdeckst auch Schäden und eventuelle Fehlfunktionen, bevor es drauf ankommt.
Entdeckte Schäden meldest Du übrigens am besten sofort und ganz einfach per QR-Code Logbuch an die SailCom Geschäftsstelle und das Bootsteam. Den QR-Code findest Du meist beim Niedergang oder im Cockpit.
Sobald du den Steg verlässt, zählt dein Wort!
Kurz vor dem Ablegen ist eine kurze Sicherheitseinweisung Pflicht: Erkläre deiner Crew das richtige Verhalten an Bord, die Sitzpositionen und wo die Rettungsmittel zu finden sind.
Wenn alles klar ist und sich alle Personen gut informiert auf den Törn freuen, ist es an der Zeit die Leinen zu lösen.
3. Auf dem See: Den Fokus behalten.

Geniesse die Fahrt, aber behalte den 360-Grad-Blick:
- Wo bin ich:
Du kannst jederzeit darüber Auskunft geben, wo ihr Euch auf dem See befindet und mit welchen Situationen unmittelbar zu rechnen ist. Die “Verkehrsregeln”:
Kursschiffe und Fischer haben generell Vorrang.
Bei allen anderen Begegnungen ist es manchmal sinnvoll, tolerant gegenüber Anderen zu sein. Nicht alle kennen die Kollisionsverhütungsregeln so gut wie Du!Das Wohlbefinden:
Geht es Euch allen gut?
Ein Auge auf das Wohlbefinden der Crew zu haben ist eine gute Idee. Manchen wird es auch auf einem Schweizer See schlecht. Mit zunehmendem Wind haben auch nicht alle Mitsegelnden gleich viel Freude an der “sportlichen” Krängung.
Nimm darauf Rücksicht und sichere Dir so Pluspunkte.Der Plan B:
Behalte immer den nächsten sicheren Hafen im Kopf, falls das Wetter kippt. Grade im Sommer und am Alpenrand kann es “auch heiterem Himmel” auffrischen oder zu einem Gewitter kommen. Situationen, die man gern vermeidet. Da ist es gut, einen Unterschlupf in der Nähe zu kennen.
Wenn die Windwarnung am Ufer plötzlich schnell blinkt, solltest Du wissen wo Du schnell unterkommst.- Pro-Tipp: Reffe lieber einmal zu früh als zu spät. Es ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von seemännischem Verstand und freundschaft zu Deiner Crew. Es gibt übrigens eine goldene Regel: “Wenn Du dich das erste mal an Reffen denkst, ist es eine gute Idee zu reffen”
4. Das perfekte Finish: Anlegen und Klarschiff
Ein Manöver wird nicht durch Geschwindigkeit souverän und sicher, sondern durch Ruhe und Vorbereitung. Einer meiner Skippertrainer meinte damals dazu: “Slow is Pro”.
Plane das Anlegen also vorausschauend, strukturiert und damit stressfrei. Nutze alle an Bord befindlichen Hilfsmittel (also z.B. auch ein Bugstrahlruder, wenn vorhanden) und setze lieber das Manöver noch einmal neu an, wenn du merkst dass es nicht ganz plangemäss läuft.
Das wirkt dann am Ende deutlich besser und professioneller anstatt mit Speed und laut gestikulierend in den Steg oder ein Nachbarboot zu rammen.
Die Hafenmanöver stellen übrigens meist die grösste Herausforderung für uns Freizeitskipper:innen dar. Denn diese werden, zumindest unter Motor, meist nicht ausreichend geübt.
In der SailCom gibt es einige fortgeschrittene oder gar Profi-Skipper, die ihr Wissen sehr gern innerhalb der SailCom-Community teilen und über das Jahr verteilt sehr günsitge Skipper- und Hafenmanövertrainings auf SailCom Booten oder gar auf dem Meer anbieten.
Schau mal hier, diese Trainings werden jetzt grade angeboten:
https://www.sailcom.ch/events/?_event_types=hafen%2Cskippertraining
Nicht vergessen: Nach dem eigenen Törn ist vor dem Törn der anderen:
Hinterlasse das Boot so, wie du es vorfinden möchtest. Ein kurzer „Mini-Putz“, ordentlich aufgeschossene Leinen und trocken verstaute Segel machen dich zum/zur Lieblings-Vorgänger:in der SailCom-Community. Schäden? Kein Drama, solange du sie sofort via App oder mit Foto an SailCom meldest.
Fazit: Verantwortung macht Spass!
Skipper:in zu sein bedeutet, die Fäden in der Hand zu halten und der Crew ein unvergessliches Erlebnis zu ermöglichen. Mit einer guten Vorbereitung und einer klaren Kommunikation segelst du souverän und mit viel Spass durch jeden Sommertag.
Bist du bereit für deinen nächsten Törn?
Dann reserviere gleich jetzt dein Wunschboot für die nächste Ausfahrt oder werde Mitglied von SailCom falls Du es noch nicht bist:
Die Skipperin oder der Skipper trägt eine grosse Verantwortung für das Schiff und die Crew. Die folgenden Checklisten sollen dazu dienen, damit umzugehen und die Chef-Rolle inhaltlich souverän zu übernehmen..
von Roland Grieder
‚Befehle erteilen‘ tönt vielen zu sehr nach Militär (und Autokratie ist heutzutage in der Schweiz grossmehrheitlich kein beliebtes Thema, ausser man segelt politisch steuerboard-aussen, sozusagen im Trapez..). Aber als Skipperin oder Skipper hat man die alleinige Verantwortung und diese geht mit einer Befehlsermächtigung einher. Anordnungen erfolgen ruhig und sachlich. Über Jahrhunderte hat sich gezeigt, dass sich durch klare Anweisungen heikle Situationen oder Havarien vermeiden lassen. ‚Klar‘ heisst insbesondere ‚nicht widersprüchlich‘ und ‚ohne Diskussion‘.
Vorbereitung:
Wetterbericht: Regen, Sturm oder Gewitterneigung prüfen. Achtung: Gewitterzellen können nicht vorausgesagt werden, nur die Gewitterneigung – also Augen offenhalten!
Windentwicklung: Auf thermische Winde achten (z. B. Brisen am Nachmittag). Windrichtung und -stärke über den Tag hinweg einschätzen.
Bootshandbuch: Besondere Hinweise zum Hafen und zum See studieren. Gibt es Untiefen, Bojenfelder, Naturschutzzonen oder Sperrgebiete?
Sicherheitsausrüstung: Position von Bootshaken, Schwimmwesten, Rettungsring, Notsignalen, Werkzeugkasten, Eimer/Ösfass, Feuerlöscher, Notpaddel kennen.
Motor & Batterie: Funktion prüfen, Benzin-/Dieselvorrat kontrollieren. Bei Elektromotor: Akkustand checken.
Navigation: Karte oder App (z. B. Navionics, SwissTopo, Seezeichenplan) bereithalten.
Reffen: Wissen, wie man refft und wann. Frühzeitig reffen, nicht erst, wenn’s kracht.
Crew: Wer ist dabei? Wie gross ist die Erfahrung? Kleidung, Sonnenbrille, Sonnencrème, Hut, Trinkwasser, Snacks, Windschutz, warme Kleidung – alles vorhanden?
Gesundheit & Sicherheit: Seekrankheit, Medikamente, Allergien bekannt? Wer kann schwimmen?
Plan B: Was tun bei Motorausfall, auffrischendem Wind, Wetterwechsel, Wellengang, Angst, Verletzung oder Verlust von Ausrüstung?
Kommunikation: Handy aufgeladen, wasserdicht verpackt. Notfallnummern gespeichert (Seepolizei, Sailcom-Kontakt).
An Board angekommen:
Alles dabei? Persönliche Sachen, Ausweise, Bootsunterlagen, Schlüssel, Handy, Getränke, Proviant.
Bootscheck: Sichtkontrolle auf Schäden (Rumpf, Segel, Rigg, Motor, Fender, Reling, Leinen, Polster, Elektrik). Schäden umgehend melden!
Wetterlage: Aktuelles Wetter mit Vorhersage vergleichen. Fronten, dunkle Wolken, Windrichtung, Böenfelder beachten.
Crewausrüstung: Alle passend angezogen, gut geschützt gegen Sonne, Wind, Wasser.
Sicherheitseinweisung: Kurze Einführung für alle Mitsegelnden: Verhalten an Bord, Haltepunkte, Segelbewegungen, Sitzpositionen, Notfallplan.
Auslaufen:
Kündigt an, dass es nur eine Skipperin oder einen Skipper gibt. Rollen der Crew bei Manövern, beim Ablegen, sowie beim Ein- und Auslaufen festlegen und allenfalls erklären.
Material & Ausrüstung: Seile, Fender, Bootshaken, Schwimmwesten, Erste-Hilfe-Set, Notpaddel, Anker, Werkzeug vorhanden?
Alles verstaut? Keine losen Gegenstände, Taschen, Getränke – alles sicher.
Reff anschlagen oder bereits setzen: Windentwicklung beachten – lieber kleiner beginnen.
Motorstart: Funktioniert er zuverlässig? Leerlauf, Steuerung, Rückwärtsgang prüfen.
Ruder, Schwert, Kiel: Beweglich? Arretiert?
Notfallnummern: Seepolizei (117 oder lokale Nummer)?
Rettungswesten: Passen sie für alle?
Fahrt:
Wetterbeobachtung: Laufend Himmel, Wind, Wasseroberfläche, Wolken und Temperaturveränderungen beobachten.
Verkehr: Berufsschifffahrt, Fischer und Schwimmer im Blick behalten, ebenso alle anderen Schiffe:
Motorschiffe weichen Segelschiffen aus, ausser bei Berufsschifffahrt oder Manövrierunfähigkeit.
Ruderboote, Pedalos und SUPs müssten theoretisch ebenfalls ausweichen…
Bei Seglern alphabetisch: Lee vor Luv, Backbord-Bug vor Steuerbord-Bug.
Crew-Wohl: Geht es allen gut? Sonnen-/Windschutz, Durst, Hunger, Seekrankheit?
Gewichtstrimm: Segelstellung und Gewicht sinnvoll verteilen; das Boot soll ruhig laufen und wenig krängen.
Sicherheitsbewusstsein: Immer eine freie Hand für das Boot. Keine riskanten Bewegungen, kein Hängen über Bord.
Wetteränderung: Wo ist der nächste sichere Hafen oder Ankerplatz, falls das Wetter kippt? Frühzeitig reagieren.
Motorbereitschaft: Bei auffrischendem Wind startklar halten.
Anlegen:
Manöverplanung: Windrichtung und -stärke, Wellengang, andere Boote beachten.
Fender & Leinen: Vorbereitet und klar.
Crew auf Position: Jeder weiss, was zu tun ist – keine Improvisation.
Motorhilfe: Bei starkem Wind oder Strömung frühzeitig nutzen.
Ruhig bleiben: Kein Stress, lieber einmal neu ansetzen, als Risiken eingehen; der Ärger lohnt sich nicht.
Aufräumen:
Checkliste des Bootsteams Punkt für Punkt abarbeiten (Motor, Batterie, Elektrik, Segel, Schoten, Fender, etc.).
Reinigung: Kurzer ‚Mini-Putz ‘von Deck, Cockpit, Kajüte mit Ablagen; mach’ den Nächsten eine Freude!
Segel: Trocken, sauber, ordentlich verstaut. Nasse Segel besser im Cockpit vertauen als in die Kajüte legen (Risiko von Schimmelbefall).
Leinen & Fender: Aufgeschossen und sicher gelagert.
Motor: Abstellen, Benzinhahn zu, Akku trennen, Schlüssel abziehen.
Schäden oder Auffälligkeiten: Sofort dokumentieren und an Sailcom melden (mit Foto).
Persönliche Gegenstände: Alles wieder mitgenommen?
Logbuch und/oder QR-Code ausfüllen: Optional Fahrt, Wind, Besonderheiten eintragen.
Nachbereitung:
Feedback an Sailcom: Falls etwas unklar oder besonders gut war – melden. Schäden sofort melden, keinesfalls lange warten.
Reflexion: Was lief gut, was könnte beim nächsten Mal besser gemacht werden?
Wetter & Lernmoment: Wie genau war die Prognose? Was habe ich beobachtet, was kann ich beim nächsten Segeltag frühzeitig erkennen?