Es gibt viele Wege, mit den Leinen und Tauen auf einem Schiff umzugehen, je nach Zweck jedoch nur wenige wirklich gute.
Von Marcel Trachsel und Roland Grieder.
Aufräumen und vorbereiten.
Kommt man auf ein Schiff, kann es sein, dass eine knappe Viertelstunde Arbeit ansteht: Jemand hat alle Taue zum ‚Babeli‘ aufgewickelt. Für die grossen Festmacherseile auf Reserve, die ‚Trossen‘, macht das sicher Sinn. Aber all die Schoten, Falle und Trimmseile – das Startklarmachen zieht sich hin.
Falls das Bootsteam eine Meinung hat, gilt natürlich diese. Wenn Seiltaschen vorhanden sind, gehören die Seile in diese, ohne aufzurollen, pro Seil gebüschelt, eines neben dem anderen. Und Winschen sind auch gut geeignet, um die Buchten (die einzelnen Seilschlaufen) einer Schot darüber zu legen – das geht auch ohne Babeli.
Auf See
Wenn wir ein Seil schön in Buchten aufwickeln, drehen wir am Seil, bis die neue Buchte die gleiche Richtung hat wie die bisherigen. Das Seil wird also mit gespeicherten Drehkräften abgelegt, welche sich entspannen, sobald das Seil betätigt wird. Tests mit dem Gennacker zeigten ein signifikantes Resultat: Die Lee-Schot freigeben, das Fall schnell fahren lassen – die Wahrscheinlichkeit, dass sich Seile mit gespeicherten Drehkräften so verdrehen, dass ein Seil blockiert, liegen um die 50%. Während einer Regatta ein Unding, man verliert umgehend mehrere Bootslängen. Zudem hat anlässlich einer Regatta niemand Zeit, Seile aufzubuchten oder sich woanders als am optimalen Platz aufzuhalten. Seiltaschen gehören deshalb zum Standard auf Regatta-Schiffen. Wieso?
Aber auch Fahrtensegler wollen Risiken bei starkem Wind minimieren. Seile kommen also so in die Taschen, wie das Seil sich eben auf den Boden des Cockpits gelegt hat. Ist ein Schiff nicht mit Seiltaschen ausgerüstet, können die Enden der Seile in Gebrauch in die Kajüte hängen gelassen werden. Oder jedes Seil erhält in einem breiten Cockpit seinen Platz. Auf jeden Fall gilt auf See: Aufräumen, aufräumen und noch einmal aufräumen. Da ist die Skipperin oder der Skipper gehalten, konsequent streng zu sein, um der Verantwortung gerecht zu werden.
Beim Belegen
Sogar beim Belegen der Klampen gibt es das ‚richtigste‘ Vorgehen: Das Seil wird vom entfernteren Klampenhorn einmal um den Klampenfuss gewickelt. Der Grund liegt in der Physik: Das entferntere Klampenhorn wird wegen der starken Umlenkung des Seils gewählt, denn dies erzeugt Reibung. Und eine Runde reicht, denn die Reibung nimmt exponentiell mit der umwickelten Länge zu. So übernimmt dieser erste Rundtörn im Wesentlichen die ganze Last. Nun noch je einen Achterschlag um die Hörner und ein weiterer Rundtörn – fertig. Im Hafen ersetzt ein Beschlagsknoten, auch Kopfschlag genannt, den letzten Rundtörn.
Seitwärts parkieren
‚Gute Seemannschaft‘ oder ‚hohe Schule‘ besteht meist darin, kleinere Herausforderungen elegant zu meistern, ohne viel Aufwand oder Kraft. Ein gutes Beispiel ist längsseitig am Steg anzulegen, insb. wenn die Lücke kurz ist und ausserdem Schwell in den Hafen steht.
Werden die Bug- und Achterleinen in dieser Situation dicht genommen, also sehr kurz geführt gemäss der Parklücke, kann sich das Schiff im Schwell nicht mehr frei bewegen: Bei sinkendem Wasser wirken die Seile wie eine Schaukel: Das Schiff wird entsprechend der Wasserverdrängung (‚Gewicht‘) gegen den Steg gepresst, die Klampenwurzel kommt an ihr physikalisches Limit.
Ein Segelboot liegt bei Schwell längsseits nur dann einigermassen ruhig, wenn zwei lange, insbesondere gleich lange Springs stark gespannt werden. Sie sollen sich dabei möglichst dort kreuzen, wo der Rumpf am breitesten ist. Die Elastizität der Seile erlaubt noch wenige Zentimeter Längsbewegung, um die Klampen zu entlasten. Die Vor- und die Achterleine hingegen müssen so lose angebracht werden, dass sie Berührung verhindern, wenn der Schiffskörper seitlich ausbrechen möchte. Damit werden die seitlichen Stösse auf ein Minimum reduziert. Im Idealfall brauchen wir nur noch einen Fender. Das ist übrigens ein genereller Check in Bezug auf die ‚hohe Schule‘: Je weniger Fender wir benötigen, desto besser ist das Schiff vertäut.