Revier Zürichsee: Segeln vor Downtown Switzerland

Zürichsee

Der Zürichsee bietet für unterschiedliche Segler:innen die idealen Bedingungen, sei es für einen Wochenendtörn mit der Familie oder bei einer sportlichen Regatta, denn der See ist überraschend vielseitig. Sei es für längere Ausflüge entlang der schönen Küsten, oder den Besuch in einem der zahlreichen Restaurants, die bequem über einen Landesteg erreichbar sind. SailCom bietet auf dem See rund fünfzehn Boote von unterschiedlichen Klassen und Grössen an, um diese Erlebnisse zu geniessen.

Segelt man aus der Stadt Zürich raus merkt man bald, dass bei schönem Wetter eine tolle Thermik über den See zieht, die Segel werden schnell gesetzt und man kann das tolle Alpenpanorama in der Ferne bestaunen. Nicht nur Segler geniessen diese schönen Tage, auch Pedalofahrer, Fischer oder Motorbootfahrer trifft man hier an, auch die Kursschiffe fahren in der Bucht langsamer, denn es sind nur 10 km/h erlaubt.

Bereits am Stadtrand kann sich der Wind ändern und flaut ab. Ein Windteppich baut sich jedoch entlang des Westufers auf, so dass eine schöne Strecke mit einem Vorwindsegel gemacht werden kann, manchmal sogar bis in die Nähe der berühmten Schokoladenfabrik in Kilchberg. Je weiter man sich nun vom Ufer entfernt, desto mehr kommt der Wind nun quer zum See. So kann sich die Möglichkeit ergeben, mit dem Vorwindsegel weiter dem Wind zu folgen und die schöne Brise noch länger zu geniessen.

Drehende Winde entlang der Küsten

Drehende Winde gehören auf dem Zürichsee zum Alltag. Wind gibt es fast immer irgendwo. An Leichtwindtagen öffnen und schliessen sich Windlücken im Stundentakt. Die Richtung kann rasch wechseln. Der berühmte Ausdruck vom «Zürisee-Vieri» meint keinen Starkwind, sondern Wind aus allen vier Himmelsrichtungen innerhalb kurzer Zeit. Wer regattiert, lernt hier den Wind genau zu lesen und die Segel laufend anzupassen. Andere Crews bleiben gelassen und warten, bis der Wind wieder passt.

Der See ist auch für längere Fahrten ausgezeichnet geeignet. Nicht nur um sich in einem der gut frequentierten Restaurants auf Höhe Herrliberg eine Pause zu gönnen, sondern auch um beispielsweise den Törn bis zu den schönen Inseln Ufenau und Lützelau zu verlängern, die sich in der Nähe des Seedamms zum Obersee zwischen Rapperswil und Pfäffikon SZ befinden.

Die spezielle Topografie

Die Ursache liegt in der Topografie. Während der Eiszeiten formten Gletscher die Hügelzüge entlang des Sees. Besonders am Westufer fallen sie steil zum Wasser ab. Der See verläuft in Nord-Süd-Richtung, die vorherrschenden Winde kommen jedoch aus West oder Ost. Der Wind wird dadurch kanalisiert, umgelenkt oder fällt punktuell auf den See. Westwind folgt oft dem Tal der Sihl südlich der Stadt und schwappt in einzelnen Paketen über den Höhenzug auf den See.

Ein weiteres Phänomen zeigt sich bei Südwestwind. An einer flacheren Stelle des Hügelzuges nahe der Stadt wird der Wind quer über den See gedrückt. Es entsteht ein schmales, starkes Windband. Während der Grundwind mit 3 bis 4 Beaufort weht, können in diesem Band 6 bis 8 Beaufort auftreten. Lange Wellen mit Schaumkronen sind möglich. Solche Tage gibt es etwa fünf bis zehnmal pro Saison. Häufiger sind stabile Windlagen, besonders bei Föhn.

Breite Regatta-Szene

Auf dem Zürichsee hat sich ein breite Regatta-Szene etabliert. Mehrere Bootsklassen trainieren regelmässig, darunter auch viele J70 Boote der SailCom. Unter der Woche finden Abendregatten statt, organisiert von lokalen Segelclubs. Dazu kommen zahlreiche Wochenendregatten.

Viele engagierte Mitglieder der SailCom bieten regelmässig Ausfahrten auf unseren Booten an, sei es zu einem Sundowner oder die Teilnahme an einer Regatta. Schau doch mal bei unseren Events, vielleicht ist das Passende für dich dabei?

Gut zu wissen als Skipper:in

Man sollte Kenntnis der schnellen Kursschiffe haben: Die Limmattschiffe fahren vom See aus in die Limmat ein und fahren anschliessend bis zum Landesmuseum in der Nähe des Bahnhofs. Sie sind leicht zu übersehen und haben immer Vortritt.

In der Schweiz ist es gesetzlich vorgesehen, dass sich Kursschiffe beim Ablegen mit akustischen Signalen entsprechend melden. In Zürich jedoch gilt eine Sonderregelung. Aus Rücksicht auf die dicht besiedelten Ufer verzichten die Kapitäne darauf, mit Ausnahme einer konkreten unmittelbaren Gefahr. Wenn nun also ein Kursschiff laut hupt, meint es dich oder ein anderes Schiff in der Nähe, das Signal darf somit zu keinem Zeitpunkt ignoriert werden.

Der Zürichsee fordert – wie alle anderen grösseren Seen der Schweiz ebenfalls – grosse Aufmerksamkeit, belohnt dich als Segler:in jedoch mit abwechslungsreichem Segeln, kurzen Wegen und einer einzigartigen Mischung aus urbanem Treiben, Natur und abwechslungsreichen Wetterbedingungen.

Der Zürichsee bietet sowohl für ambitionierte Regattiererinnen und Regattierer als auch für die Familiensegler ein spannendes Segelerlebnis, das mit einem interessanten Windsystem aufwartet. Das Revier eignet sich für kürzere Törns und längere Ausflüge zwischen Gold- und Pfnüselküste bis zum Seedamm. Viele gute Restaurants laden zum Verweilen und verfügen über eigene Landestege. Die Sailcom bietet insgesamt rund fünfzehn Boote unterschiedlicher Klassen zur Miete. Drei Ynglinge sind auch Teil der traditionsreichen Sailcom Race Group.

Von Roland Grieder.

Von Zürich aus kreuzt die Crew los, die aufgeheizte Stadt zieht Luft nach, eine starke Thermik entsteht. Im Seebecken winken Erholungssuchende von ihren Pedalos, während andere auf der Uferpromenade mit sich selbst oder ihrem Mobiltelefon beschäftigt sind. Auf Motorbooten liegen einige an der Sonne, andere fischen. Kursschiffe ziehen in verlangsamter Fahrt ihre Bahn durch das Seebecken, in dem für Motorschiffe nur 10 km/h erlaubt sind.

Schon am Stadtrand ändert sich der Wind und flaut ab. Ein Windteppich baut sich jedoch entlang des Westufers auf, so dass mit dem Gennacker einige Meilen gute Fahrt bis in die Nähe der Schokoladenfabrik Lindt gemacht werden können. Dort dreht der Wind allmählich in eine andere Richtung, mit zunehmendem Abstand vom Ufer bis quer zum See. Um den Gennacker nicht bergen zu müssen, entscheidet sich die Crew, vorerst dem Wind zu folgen.

Zwischen Gold- und Pfnüselküste

In der Seemitte gerät das Boot in die Zone zwischen zwei Windteppichen, was sich in häufig drehenden Winden bemerkbar macht. Auf dem sich nähernden Teppich lässt sich der See – ohne Gennaker – aber gemächlich bis zum Delta des Küsnachter Bachs überqueren. Viele Menschen geniessen in den öffentlichen Pärken am See das Sonnenbaden und Schwimmen. Mit einem Respektabstand vor dem abrupt flach werdenden Ufer segelt die Crew entlang der Goldküste mit ihren Villen bis nach Herrliberg, wo das beliebte Seerestaurant ‚Al Forno‘ zum Besuch einlädt. Auf der Seeseite gegenüber befindet sich das ‚Porto Fino‘ mit seinen Murleinen am Steg . Die Crew kennt die Windsysteme des Sees und weiss, dass sich in der Bucht zwischen Herrliberg und Meilen die Zürcher ‚Rossbreiten‘ befinden, mit Ausnahme gelegentlicher, lokaler Thermik eng entlang des Ufers ist es hier recht windstill. Deshalb segelt die Crew ein gutes Stück in den See hinaus. Vor der Fährstrasse zwischen Meilen und Horgen wartet sie ab, bis sich die Fähren gekreuzt haben, um nun von der Halbinsel Au nach Stäfa zu gelangen, wo ein grosser, flacher Fels mit vier Seezeichen markiert ist.

Der Zürichsee lädt also auch zu längeren Fahrten ein, die bis zu den Inseln Ufenau und Lützelauf in der Nähe des Seedamms zwischen Rapperswil und Pfäffikon SZ reichen können. Die Brücke des Seedamms zum Obersee wird von Kursschiffen gequert, Jollen mit niedrigen Masten unter neun Metern können das auch, während der Mast einer J70 bereits zu hoch ist.

Drehende Winde

Doch auch ohne Passage des Seedamms bietet der Zürichsee viel Segelspass für alle. Wind hat es fast immer irgendwo und irgendwann. An Leichtwindtagen gibt es regelmässig Windlücken, die kommen und gehen. Ebenso kann die Windrichtung rasch drehen: Mit dem ‚Zürisee-Vieri‘ sind nicht etwa vier Beaufort gemeint, sondern ein Beaufort aus jeder Himmelsrichtung. Ambitionierte Seglerinnen und Segler, insbesondere die Regattierer, lernen dank diesem Phänomen, den Wind feinfühlig zu beobachten und die Segel entsprechend neu auszurichten. Anderen sind diese Winddreher egal. Sie warten einfach ab, bis der Wind wieder zu den Segeln passt.

Der Grund für dieses Phänomen findet sich am Stadtrand von Zürich. Die Eiszeiten haben die Albiskette (mit dem Uetliberg, knapp 900 Meter hoch) ‚überarbeitet‘ und insbesondere die Flanken hin zum Zürichsee umgeformt. Die letzte Eiszeit hinterliess die Hügelkette entlang des Westufers mit steilem Abfall direkt zum Seeufer. Die Sihl spülte sich ihr Flussbett parallel zum Westufer des Sees aus. Da der Zürichsee mit seinen flankierenden Hügelzügen in Nord-Süd-Richtung verläuft, die vorherrschende Windrichtung jedoch West-Ost ist, muss der Wind seinen Weg finden. Entweder zieht er am einen Ufer über den See hinweg und senkt sich punktuell vor dem anderen Ufer. Westwind wird hingegen entlang des Sihltals umgelenkt, bis gelegentlich ein Windpaket über den Talrand in Richtung See schwappt.

Ein weiteres Windphänomen basiert auf einem weiten Ausläufer der Albiskette kurz vor Zürich, genau dort, wo die Hügelkette entlang des Sees wenig hoch ist. Insbesondere der Südwestwind zieht dem Sihltal entlang, bis er vom Ausläufer quer über den See umgelenkt wird. Bei starken Winden ergibt sich ein konzentriertes Windband mit Kompressionseffekt quer über den See. Der Grundwind weht ein gutes Stück weniger stark und auch mit einer etwas anderen Richtung. An Spitzentagen liegt die Grundwindstärke bei 3 bis 4 Bf, aber das Windband vom Hafen Wollishofen bis zum Hafen Tiefenbrunnen kann 6-8 Bf erreichen, mit langen Wellenzügen, deren Schaumkronen hie und da sogar von Böen weggeweht werden. Solch stark windigen Tage sind jedoch gezählt, es gibt sie rund fünf- bis zehnmal pro Saison. Daneben gibt es auch viele Tage mit einer konstanten Windrichtung über weite Strecken, besonders bei Föhnlagen.

Breite Regatta-Szene

Auf dem Zürichsee hat sich ein breite Regatta-Szene etabliert, an der auch Boote der Sailcom beteiligt sind: Am Dienstag trainieren die J70 gemeinsam mit den Ynglingen. Jeweils am Donnerstag findet das ‚7o’clock‘ des Seeclubs Enge statt. Die lokalen Clubs organisieren zudem eine Reihe von Regatten ((***Link)). Für die Regatten auf dem Zürichsee wurden auch diverse Schiffstypen geschaffen, die sich weit über die Seegrenzen hinweg einer grossen Beliebtheit erfreuen: die Moser m1 und m2, die 101, die Esse und die Onyx.

Gut zu wissen

Kennen muss die Skipperin oder der Skipper die Limmatschiffe: Flache, lange, schnelle Kursschiffe, die vom See in die Limmat einbiegen und bis zum Landesmuseum in der Nähe des Bahnhofs fahren. Sie sind nicht einfach zu sehen und sehr unflexibel, wenn es ums Ausweichen geht: Vortritt ist Vortritt.

In der Schweiz ist es korrekt und gesetzlich vorgesehen, dass Kursschiffe beim Ablegen entsprechende akkustische Seezeichen geben. Ein wohlhabender Einwohner von Zürich hat sich jedoch daran gestört und bis vor Bundesgericht dagegen gekämpft – und wider Erwarten Recht erhalten. Das Gericht entschied, dass im Spezialfall Zürich mit seiner hohen Menschendichte um den See das öffentliche Interesse an Ruhe höher zu werten sei als die seerechtliche Routine. Dies gelte jedoch nur, falls nicht ein Schiff in der Nähe zu warnen sei. Den ansonsten gelassenen Kapitänen der Kursschiffe missfiel dieses Urteil bis tief in den Sitz ihres Berufsethos. Wer also von einem nahen Kursschiff lautstark angehornt wird, muss sich nicht wundern. Der Kapitän hat nicht nur das Segelboot oder ein Pedalo im Visier, sondern zielt mit seinem akkustischen Signal auch auf den ‚Bünzli‘, der nichts von Seefahrt verstehe.

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