Walensee – ein malerisches Segelrevier mit Wetterwechseln

Walensee

Wer vor traumhafter Bergkulisse und bei guten Windverhältnissen segeln will, ist mit den beiden identisch gebauten Surprise-Booten der SailCom auf dem Walensee gut bedient. Wetterwechsel können vorkommen, sind aber oft nur von kurzer Dauer.

Von Marcel Trachsel und Roland Grieder.

Mit vollen Segeln nimmt die Surprise Kurs nach Weesen. Das malerische Quinten mit seinen Rebbergen und gemütlichen Restaurantgärten lässt sie hinter sich. Die Crew setzt den Spi und steigert damit das Tempo merklich.

Doch nur Minuten später baumelt das grosse Tuch in der Flaute. Es gibt nichts weiter zu tun, als den Spi zu bergen, sich in die bequemen Reling-Gurten zu hängen und an der warmen Mittagssonne auf die Thermik zu warten. Hinten ragen steil die Felswände empor, die Berggipfel sind mit Schnee bedeckt, das tiefe Wasser schimmert blaugrün im Sonnenlicht.

Rasche Wetterwechsel

Plötzlich schlägt das Wetter um: Im Westen türmt sich Gewölk. Gegen Weesen hin lassen sich erste Böen auf dem Wasser ausmachen. Gekräuseltes Wasser umgibt bereits das Schiff. Bei konstantem Kurs trimmt die Crew die Segel nun auf hart am Wind. Wellen entstehen, da und dort bilden sich Schaumkronen.

Die Crew ist noch nicht so erfahren mit dem Heimathafen in Mühlehorn, so dass sie vorsichtshalber auf dem See abwettert. Eine Regenfront zieht vorbei. Kaum eine Stunde später zeigen sich bereits wieder die ersten Sonnenstrahlen. Also gerade eine Gelegenheit, noch die Abendbrise zu geniessen. Nach einer Zusatzschlaufe bei konstantem, angenehmem Wind wiegt das Schiff sanft auf das Mühlehorn zu.

Sichere Thermik

Der Walensee zählt – neben dem Thuner-, den Engadiner Seen oder dem Sihlsee – zu den wenigen Segelrevieren in den Alpen, wo dank sicherer Thermik (fast) mit ‚Windgarantie‘ gesegelt werden kann. Das gilt vor allem während warmer Spätsommer- bzw. Herbsttagen, wenn die ‚Sonnengangsbrise‘ (‚solgangsbris‘ nennen die Norweger diesen Wind) regelmässig um die Mittagszeit einsetzt und bis gegen fünf Uhr nachmittags anhält. Um drei bis vier Beaufort sind hier nachmittags keine Seltenheit; insbesondere an schönen Tagen überlege man also bereits im Hafen, ob man reffen mag. Bei Westwindlagen herrschen auf dem Walensee ebenfalls durchwegs gute Windverhältnisse.

Der See liegt in den Kantonen St. Gallen und Glarus, ist 15,5 km lang und 2 km breit. Umrahmt wird er durch eine eindrückliche Bergkulisse mit Gipfeln auf 2‘200 Metern über Meer: Im Norden durch die Churfirsten und im Süden durch den Fronalpstock und die Flumserberge.

Ausgangshafen Mühlehorn mit zwei Sailcom-Schiffen

Mühlehorn ist der Ausgangshafen, um die beiden baugleichen Surprise-Booten der Sailcom auf dem Walensee zu segeln. Die ‚Aeolus 3‘ befindet sich auf Platz Nr. 20 der Aussenmole und die ‚Phil good‘ gleich nebenan auf Platz Nr. 21.

Die Surprise hat sich bei SailCom bewährt und ist auch auf anderen Seen im Einsatz. Laut Hersteller ist es eine «regattataugliche Kabinenyacht für sportlich orientiertes Segelvergnügen». Die Schiffe bieten dennoch genug Platz zum gemütlichen Sitzen und selbst zum bequemen Übernachten. Daher auch der Name ‚Surprise‘: Der Konstrukteur war überrascht, dass das an sich komfortable Schiff so gut läuft.

Der Hafen Mühlehorn befindet sich direkt beim Bahnhof und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Zürich mit Umsteigen in Ziegelbrücke in weniger als einer Stunde zu erreichen. Für Individualreisende gibt es direkt am Hafen genügend Parkplätze.

Gleich gegenüber Mühlehorn befindet sich der Ort Quinten mit der einzigartigen Besonderheit in der Schweiz, dass er nur per Schiff oder zu Fuss erreicht werden kann. Die Südlage unter den steilen Südwänden der Churfirsten beschert dem Ort ein derart mildes Klima, dass dort neben einem ausgezeichneten Wein auch Feigen und Kiwis reifen. Direkt am See sind die Restaurants ‚Seehuus‘ und ‚Schifflände‘ gelegen; sie laden zu einem kulinarischen Zwischenhalt ein. Weitere Ziele sind das Hotel ‚Churfirsten‘ in Walenstadt, das aber nur bei genügend hohem Wasserstand angelaufen werden kann, sowie der Landgasthof ‚Paradiesli‘ oder das Restaurant ‚Burg-Strahlegg‘ in Betlis.

Vom sportlichen Segeln unter Spi bis zum gemütlichen Familien-Segeln mit Kind und Kegel, aufgelockert durch ein frisches Bad im meist kühlen Nass: So vielfältig lassen sich die beiden Surprise von Sailcom im Walensee nutzen.

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