Ruhe im Schiff durch Beidrehen und Beiliegen.

Ruhe im Schiff: Das Beidrehen und Beiliegen

Ah ja, beidrehen, genau. Äh, wie ging das schon wieder…

Man lernt es in der Segelschule im Zusammenhang mit dem Reffen. Beidrehen ist wie eine Wende, bei der die betätigten Schoten vertauscht werden. Die Fockschot bleibt belegt, dafür wird die Grossschot gelöst. Nach dem Manöver kompensiert die Pinne den Segeldruck der Fock, indem sie deutlich in Richtung „zurück in den Wind“ fixiert wird.

Von Silivo Kippe, Marcel Trachsel und Roland Grieder

Will die Skipperin oder der Skipper bei ordentlich Wind Ruhe an Bord schaffen oder bei harten Bedingungen das Grosssegel reffen, zum Beispiel wenn eine Person geborgen, oder die Seepolizei die vorgeschriebene Sicherheitsausrüstung kontrollieren will, hilft das Beidrehen beziehungsweise Beiliegen.

Das Manöver lässt sich schnell und einfach fahren. Danach liegt das Boot unter voller Besegelung ruhig im Wasser und driftet, gemessen an der Segelfläche, mit minimaler Krängung langsam nach Lee. Je nach Wind und Wellen meist mit etwa ein bis zwei Knoten. Das ist vorteilhaft. Die Wellen treffen den Rumpf seitlich am Bug und verursachen kaum Stampfen. Da das Schiff fast stillliegt, beruhigt sich zudem das Wasser im Lee des Bootes. Mehrere Kräfte heben sich gegenseitig auf und erzeugen Stabilität. Wichtig bleibt ausreichend Freiraum im Lee, bevor das Manöver beginnt. Besonders in der Nähe eines Legerwalls.

Und so gelingt das Manöver

  1. Phase
    Aus einem Am-Wind-Kurs heraus fährt man eine Wende. Die Fock bleibt jedoch belegt und wechselt nicht auf die andere Seite.
  2. Phase
    Nachdem der Bug durch den Wind gedreht hat, steht die Fock back. Noch während der Wende fiert man das Grosssegel weit auf. Sobald die backstehende Fock das Boot nach Lee drücken will, legt man hart Gegenruder in Richtung Wind. Das bedeutet Ruder nach Luv und Pinne nach Lee. Mit gefiertem Gross und fast ohne Fahrt pendelt sich das Boot ein.
  3. Phase
    Das Schiff erreicht nun ein Gleichgewicht der Kräfte. Die Grossschot bleibt lose. Damit das Gross nicht schlägt, holt man es leicht dicht. Dieses Feintuning hängt stark von der Rumpfform und vom Bootstyp ab.

In dieser Beiliegeposition kann man abwettern oder ein Reff einbinden. Bei sehr starkem Wind kann es schwierig werden, das Gross ohne Flattern zu halten. In solchen Fällen empfiehlt sich das Bergen des Grosssegels. Fahrtenyachten bleiben meist auch bei Starkwind und höherem Seegang stabil in dieser Lage, weil Konstrukteure diese Situation berücksichtigen.

  1. Phase
    Zum Beenden des Beiliegens holt man die backstehende Fock zunächst leicht dicht auf der neuen Seite. Danach wird auch die Grossschot dicht geholt. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf.

Wer ein neues Schiff übernimmt oder das Manöver länger nicht geübt hat, sollte es bewusst trainieren. Verschiedene Bootstypen reagieren unterschiedlich. Moderne regattataugliche Boote besitzen häufig schmale Focks mit eng am Mast geführten Schoten. Diese Bauweise verbessert die Höhe am Wind. Beim Beidrehen kann sich jedoch der obere Teil der Fock verdrehen und weiterhin Vortrieb erzeugen. Das Boot fährt dann weiter voraus und die fixierte Pinne funktioniert nicht mehr. In solchen Fällen muss aktiv gesteuert werden.

Eine verantwortungsbewusste Skipperin oder ein verantwortungsbewusster Skipper studiert nicht nur die Reffeinrichtung eines neuen Bootes. Ebenso wichtig ist es, das Verhalten beim Beidrehen zu kennen.

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