Grossschot, Baumniederholer und Traveller

Die Grossschot ist in den meisten Schiffen nicht am Boden des Cockpits befestigt, sondern an einem Schlitten auf einer Schiene, dem Reibbalken oder Traveler. Der Baumniederholer ist zwischen dem Baum und dem Mastfuss befestigt, damit er den Grossbaum unabhängig vom Seitenwinkel nach unten ziehen kann. Das Ziel ist klar. Der Grossbaum soll mit diesen drei Seilen optimal eingestellt werden. Die segelnde Person stellt sich die Frage, wann welches Seil zu betätigen ist und was optimal genau heisst.

Um den Wirkungen dieses Trios auf den Grund zu gehen, muss man zuerst wissen, dass die drei Seile ihre Rollen ändern. Am Wind sind diese anders verteilt als bei weniger hohen Kursen.

Am Wind ist der Traveler primär für den Seitenwinkel des Grossbaums zuständig, während die Grossschot den Baum nach unten zieht, um das Achterliek zu schliessen und damit den Twist, also die Verdrehung des Grosssegels, festzulegen. Der Baumniederholer spielt am Wind eine untergeordnete Rolle. Seine Hebelwirkung mit ungünstigem Zugwinkel ist gemessen an den Kräften hoher Kurse zu gering. Zieht man am Wind mit roher Kraft am Niederholer, riskiert man Materialschäden.

Fällt man ab, verlässt der Baum bald einmal den Wirkbereich des Travelers. Man muss nun die Grossschot fieren, um den Baum seitlicher zu stellen. Damit ist der Traveler am Anschlag und die Grossschot übernimmt primär die Aufgabe für den Seitenwinkel. Genau genommen steht die Grossschot am Ende des Travelers eher steil, so dass die Kraftkomponente nach unten noch wesentlich ist. Je weiter der Baum gefiert wird, desto flacher verläuft die Schot und entsprechend weniger zieht sie nach unten. Hier springt der Baumniederholer ein. Seine Wirkung ist unabhängig vom Seitenwinkel des Baums.

Für Regattierende gilt. Wenn der Traveler bereits am Anschlag ist, der Baumniederholer ganz gelöst, aber im Gross immer noch zu wenig Twist festzustellen ist, kann der Traveler nach Luv gefahren werden. Der flachere Winkel der Grossschot erlaubt es dem Baum zu steigen. Weniger Spannung am Achterliek führt zu mehr Twist.

Der Grossbaum ist optimal eingestellt, wenn die Windfäden am Achterliek des Grosssegels auswehen. Bei Schiffen mit langen Bäumen wie einer J80 sollen die Windfäden über 95 Prozent der Zeit vom Wind nach achtern geblasen werden. Mit den restlichen wenigen Prozenten zeigen sie laufend an, dass das Segel wirklich an der Strömungsabrissgrenze eingestellt ist und maximalen Segeldruck erzeugt. Bei kurzen Bäumen, etwa bei einer J70, kann etwas aggressiver gesegelt werden. Dabei beginnen die Windfäden sich periodisch auf der Leeseite nach vorne zu klappen. Das gemessene Optimum liegt bei etwa 10 bis maximal 20 Prozent Vorklappen. Verwirbelung bei Strömungsabriss bremst. Empfehlungen für 25 bis 30 Prozent sind deshalb mit grosser Vorsicht zu betrachten und gelten nur für sehr spezifische Segelschnitte und mit Geschwindigkeitsmessung.

Der Traveler nach der Segelschule

Aus der Segelschule kennt man den Traveler oft in zentraler Stellung, ungenutzt. Gerade hoch am Wind wäre der Traveler jedoch nützlich. Das Vorsegel nimmt man dicht. Das Gross wird grundsätzlich mit gleichem Seitenwinkel eingestellt. Wenn man zu diesem Zweck nur die Grossschot festzieht, bewegt sich der Baum entgegen der eigentlichen Absicht fast nur nach unten. Das gestreckte Achterliek verhindert Twist. Beginnend am Top des Gross entsteht dadurch ein Strömungsabriss, der eine lange bremsende Wirbelstrasse nach sich zieht. Mit dem Traveler kann man das Segel seitlich dichter nehmen. Die Traveler-Schiene ist bei den meisten Schiffen so lang, dass der maximale Anschlag nach Luv gerade passt.

Bei achterlichen Kursen lässt man die Traveler-Leinen frei. Die Halse läuft so effizienter ab. Man sollte jedoch daran denken, den Schwung des Baums mit der Grossschot in der Hand abzufangen. Regattierende ergreifen dazu idealerweise den gesamten Flaschenzug und ziehen mit ihrem Gewicht entgegen. Fahrtensegler halten meist das Schotseil, so dass der Flaschenzug zur Dämpfung beiträgt.

Den Twist einstellen

Falls das Gross mehrere Windfäden auf unterschiedlichen Höhen hat, kann es sein, dass sich nicht alle Fäden gleich verhalten. Der Wind wird auf Wasserhöhe stärker gebremst als auf Masthöhe. Dadurch wird der scheinbare Wind zum Masttop hin immer seitlicher. Ein optimal getrimmtes Gross verdreht sich deshalb nach oben mit der jeweiligen Richtung des scheinbaren Winds. Diese Verdrehung, den Twist, stellt man mit vertikalem Zug auf den Grossbaum ein. Mehr Zug schliesst das Achterliek. Der Twist wird kleiner und die oberen Windfäden beginnen häufiger nach vorne zu klappen.

Auf manchen Schiffen ist nur der oberste Windfaden vorhanden. Das Vorgehen ist dann einfach. Zuerst stellt man das Vorliek unten am Gross genau in Windrichtung. Dabei geht man davon aus, dass der Segelbauch bereits optimal eingestellt ist. Danach zieht oder lockert man mit der Grossschot, beziehungsweise bei räumlicheren Kursen mit dem Baumniederholer, den Baum so, dass der oberste Windfaden im gewünschten Mass periodisch nach vorne klappt. Fehlt auch dieser Windfaden, bleibt nur Geschwindigkeitsmessung oder Segeln nach Beobachtung und Erfahrung. Im Zweifelsfall fährt man die Segel etwas zu locker mit etwas mehr Twist.

Böen

Windböen am Wind fängt man zunächst mit Anluven ab, weil der scheinbare Wind seitlicher einfällt. Wenn das Schiff auf volle Fahrt getrimmt ist und eine harte Böe eintrifft, reagiert man mit dem Traveler. So bleibt das Segelprofil inklusive Twist erhalten. Nur der Winkel des Segels reduziert etwas Druck.

Für Regattierende gilt zusätzlich. Ist der Traveler bereits bei oder über der Schiffsmitte, muss man die gerade Bahn des Travelers im Verhältnis zum Bogen des Grossbaums berücksichtigen. Der Baum wird nach unten gezogen, das Gross wird abgeflacht und der Twist reduziert. Beim gleichzeitigen Fieren passt das gut, weil dadurch kein Flattern entsteht.

In allen anderen Fällen ist die Grossschot das Mittel der Wahl, um die Krängung konstant zu halten.

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