Regattaschiffe mit Doppeltrapez – Lago 26 und mOcean

Lago 26
mOcean

Jollen haben keinen Kiel, dafür ein Trapez. Nur wenige Schiffe mit acht Metern Länge verfügen über Trapeze. Dazu gehören die Lago von Sailcom auf dem Zürichsee und die mOcean. Ein Vergleich.

Von Roland Grieder.

Im Bojenfeld Tiefenbrunnen auf dem Zürichsee ist die Lago 26 von Sailcom vertäut. Das Boot besticht durch optische Eleganz und bietet durchdachte Funktionalität: Die Sitzbänke sind frei; Winschen gibt es keine. Schoten und Blöcke werden im Rumpf geführt, respektive in einer Art Technik-Board unterhalb der Sitzbank. Die Kajüte ist eher hoch, man kann sich gut darin bewegen und sie dient als Spritzschutz. Sie bietet ausreichend Platz und ist sogar mit zwei Betten ausgerüstet. Im Deck beim Bug ist ein grösserer Hohlraum mit Deckel eingelassen. Dieser eignet sich zum Verstauen des Ankers, der Fockpersenning und auch der Trossen für das Vorschiff. Die Beschläge für Trossen sind möglichst klein gehalten. Damit stören sie weder optisch, noch behindern sie die Fockschoten, denn auf eine zentrale Klampe auf dem Vorschiff wurde bewusst verzichtet.

Lago: innovativ und für effektives Segeln ausgerüstet

Den Segelnden präsentiert sich die Lago als innovativ und perfektioniert. Sie ist mit allen Trimmeinrichtungen ausgerüstet, die man sich wünschen kann. Das überrascht nicht: Ihr Schöpfer ist der Österreicher Hans Spitzauer, Welt- und Europameister sowie fünffacher Teilnehmer an Olympischen Spielen in zwei Bootsklassen (u. a. 4. Rang in Atlanta, 1996).

Ein Highlight sind die Fockschoten, die als Seilschlaufen angeboten werden. Eine Seite geht direkt auf die Fock, die andere über einen Flaschenzug. Damit braucht es keine Winschen. Zudem können diese Schoten mit ins Trapez genommen werden. Selbstverständlich lässt sich auch der Gennacker bei Halbwind aus dem Trapez bedienen. Konsequenterweise verfügt die Grossschot über zwei Klemmen, eine achterlich und eine passend für die zweite Person im Trapez. Sogar der Baumniederholer ist ausreichend lang, um ihn ins Trapez mitzunehmen, was es erlaubt, den Churn des Grosssegels laufend zu trimmen. Die Schotführung aus dem Trapez ist praktisch: Nicht nur können die Segel laufend getrimmt werden, ohne aus dem Trapez zu steigen, man hat auch einen sehr guten Blickwinkel, um die Segel präzise einzustellen. Nebst dem Trapez sind gut einsetzbare Fussgurten in einer grossen Länge auf dem Cockpit-Boden montiert. So lässt sich das Boot, das mit einer 180 kg schweren Kielbombe auf 2 Metern Tiefe und entsprechender Hebelwirkung ausgerüstet ist, gut kontrollieren. Bei viel Wind gehört also das Gewicht der Crew von typischerweise drei Personen – zwei bis sechs gehen auch – zum Konzept.

Als Trimmeinrichtungen ist ein gut zu bedienender Flaschenzug für das Fockfall (Cunningham Effekt) vorhanden, ein Traveller und ein Barberhohler, um den Holepunkt der Fockschot hoch am Wind näher als die Fockrolle an die Kajüte zu ziehen. Diese Einrichtung und der Traveller erlauben es, die Lago hoch an den Wind zu bringen, unter 40°. Ein Schiff, auf dem man viel lernen kann.

mOcean: ein Fun- und Event-Boot

Die mOcean – schweizweit auf grossen Seen von Sailbox angeboten – ist im Gegensatz zur Lago als Fun- und Event-Boot konzipiert. Ein Boot, um junge oder jung gebliebene Erwachsene auf eine Fahrt einzuladen. Einfachheit ist wichtig, Trimmeinrichtungen zweitrangig. Auf Traveller und Achterstag hat man verzichtet, da Beschläge und Seile die Bewegungsfreiheit der Crew einschränken oder bei segelungewohnten Gästen ein Unfallrisiko darstellen würden. Das Doppeltrapez dient insbesondere dazu, dass bei mehreren Besatzungsmitgliedern deren zwei bereits einmal Platz machen und ihr Gewicht sinnvoll einsetzen. Der optische Auftritt ohne Kajüte ist markant und wirkt sehr sportlich mit einem langen Cockpit bis zum Masten sowie einer kleinen Nische für den Gennacker und das Gepäck. Unter dem Cockpit – zu öffnen mit einem grossen Deckel vor oder nach dem Segeln – gibt es Stauraum für Fender, Schwimmwesten, etc. Verteilt auf 1,6 Meter, mit einer weniger expliziten Kielbombe, hängen unten an der mOcean rund 450 kg Ballast.

Der Praxistest mit der Lago im Schwerwetter

Claudia Wittman und Carmen Bachmann von der Flottenkommission sowie der Schreibende als technischer Berater haben die Lago für Sailcom evaluiert. Hier ihr Bericht:

Ein Bootsbesitzer auf dem Bodensee war so freundlich, mit uns auf seiner Lago eine Runde zu drehen. Im Hafen Überlingen pfiff der Wind bei 9 Bf durch die Drahtseile, in Böenspitzen sogar bei 10 Bf. Auf dem See zeigten sich dicht verteilt Schaumkronen. Die Sonne schien hell, die Temperatur war angenehm sommerlich. Um auf der sicheren Seite zu sein, kreuzten wir erst auf, danach fuhren wir mit achterlichem Wind wieder zurück in den Hafen.

Noch im Hafen setzen wir die Fock, da klar war, dass der Motor nicht ausreicht, um gegen den Wind anzukommen. Aufgrund des Wellengangs war es leider nicht möglich die Trapeze zu nutzen. Obwohl wir den Holepunkt der Schot ein gutes Stück nach hinten gefahren hatten und die Fock mit viel Churn stand, mussten wir höher am Wind fahren, um das Segel zusätzlich zu entlasten. Auch mit diesem Ansatz und trotz des Wellenschlags kam das Schiff auf Rumpfgeschwindigkeit. Aus Testzwecken luvten wir zwei Böen nicht aus. Das Schiff legte sich umgehend so weit auf die Seite, dass der Mast noch einen Winkel von rund 25° gegenüber der Wasseroberfläche hatte; das Schiff blieb in dieser Position stabil, es drehte sich weder vom Kurs ab, noch war es den Wellen ausgeliefert – einfach gut. Die Fussleisten am Boden des Cockpits und die vorstehende Scheuerleiste aus Holz sorgten für genügend Halt bei der Crew.

Das Grosssegel war nicht geeignet für dieses schwere Wetter, denn es war mit Latten von der Mastnut bis zum Achterliek ausgerüstet und liess sich deshalb nicht flach trimmen. Auch als Balance-Instrument zur Fock eignete es sich nicht. In den Böen zeigte sich, dass die Bauchdicke des Segels zu gross war, so dass wir auch mit starkem Ausluven das Schiff nicht aufrecht halten konnten. Das Ende des Grossbaums ragte jeweils ins Wasser. Um nicht zu übertreiben, setzten wir das Gross auch auf dem achterlichen Kurs nicht mehr. Sofort nach dem Kurswechsel ging die Lago in Gleitfahrt. Aufgrund der minimierten Wasserverdrängung tauchte sie nur wenig in die Wellen ein; sie hielt sich horizontal ohne wesentliche Schwankungen. Wir fuhren mit beachtlichem Tempo buchstsäblich wie auf Schienen.

Vor dem Hafen gingen wir auf einen leichten Am-Wind-Kurs, um die Fock fieren zu können, ohne dass sie zu flattern begann. Nach der Hafeneinfahrt zogen wir die Fock ein, denn der Wind war achterlich. Trotz Hafenmole war dieser stark genug, um das Schiff auch ohne Segel schnelle Fahrt machen zu lassen. An einem Pfahl der Box konnten wir das Schiff gerade noch abfangen; das war etwas heikel. Besser wäre es gewesen, mit dem Motor im Rückwärtsgang für Ausgleich zu sorgen. Ja – und danach gab es für alle Kaffee und Kuchen.

Fazit: Obwohl die Lago nicht für schweres Wetter optimiert ist, hat sie sich auch unter diesen Bedingungen bewährt. Der breite, flache Rumpf gibt viel Formstabilität, solange man aufrecht segelt. Der schlanke, gerade Bug kommt mit Wellen über den Erwartungen gut klar, das Schiff stampfte kaum. Legt der Wind das Schiff ganz zur Seite, nimmt es einen stabilen Zustand an, aus dem man ohne Weiteres wieder zurück in die Normale kommt. Das Grosssegel mit fixem Bauch hat uns im Schwerwetter nicht überzeugt. Wir haben uns deshalb entschieden, die Lago von Sailcom mit einem Grosssegel auszurüsten, das über achterliche Latten verfügt.

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