Einhandsegeln ist eine gute Sache. Es schafft Handlungsreserven. Wenn Gäste an Bord überfordert sind, kannst du sie auch einfach segeln lassen und bleibst handlungsfähig. Es schafft Optionen. Wenn guter Wind weht und niemand Zeit hat, kannst du trotzdem auslaufen. Und es schafft Ruhe. Nach einem intensiven Tag wirkt eine kurze Ausfahrt mit Fokus auf Wind, Wasser und Boot erstaunlich entspannend.
Von Roland Grieder
Worauf kommt es beim Einhandsegeln an. Die folgenden Grundregeln gelten generell, bei Einhand, Welle und Wind jedoch besonders strikt.
Laufend aufräumen
In der Seemannssprache heisst das klarieren. Nach jedem Manöver. Seile dürfen nie durcheinanderliegen. Verhedderte Leinen können blockieren. Wenn eine Schot freigegeben werden muss oder der Gennaker geborgen werden soll, kann ein blockiertes Seil leicht eine Minute kosten. Beim Einhandsegeln hast du jedoch nur zwei Hände. Komplikationen musst du daher konsequent vermeiden. Seiltaschen an den Sitzbänken helfen enorm. Auch unter Deck gehört Ordnung zur Sicherheit.Immer genügend Abstand halten
Schäden entstehen fast immer in Ufernähe. Bojenfelder, Häfen oder Begegnungen mit anderen Schiffen sind typische Situationen. Ein misslungenes Manöver bleibt meist harmlos, solange genügend Raum vorhanden ist. Wird das Ufer nahe, entsteht das eigentliche Problem.Vorbereitung und laufende Checks
Was sagt der Wetterbericht. Brauche ich möglicherweise eine Schwimmweste. Dann liegt sie besser griffbereit. Kann ich das Schiff im Notfall stabil beidrehen. Habe ich genug Sonnenschutz und Wasser an Bord. Plane Alternativen. Was tun, wenn der Wind stärker wird. Was, wenn der Motor gegen den Wind nicht mehr ausreicht. Was, wenn sich eine Boje schwer greifen lässt. Oft liegt ein einfach anzulaufender Hafen in der Nähe. Reicht ein Trimm oder muss ein Reff ins Segel. Manchmal lohnt sich das Reffen bereits im Hafen. So wird aus einer spontanen Ausfahrt eine bewusst geplante Fahrt mit laufendem Risiko-Management.Den Ablauf optimieren
Beobachte bei jedem Manöver genau, wie sich dein Schiff verhält. Daraus entwickelst du einen optimalen Ablauf.
Ein Beispiel mit einer J70.
Bei der Wende fällt zuerst die Fock ein. Wie viel Zeit bleibt, bis sie auf die andere Seite geholt werden muss. Häufig bleibt erstaunlich viel Zeit. Steht die Fock kurz back, hilft sie sogar, den Bug durch den Wind zu drücken, besonders bei Wellen. Währenddessen kannst du bereits den Traveller verstellen oder selbst sicher auf die andere Seite wechseln.
Wichtig bleiben ruhige, runde Bewegungen und klar ausgeführte Handlungen. Wer Abläufe bewusst trainiert, schafft mentalen Freiraum. Dieser Freiraum hilft, Situationen richtig einzuschätzen. Dazu gehören auch Optionen. Wenn sich das Schiff in der zweiten Hälfte einer Wende plötzlich neigt, wo findest du sicheren Halt. Hektische Bewegungen erhöhen das Verletzungsrisiko. Rutschende Füsse oder unkontrollierte Handgriffe sind typische Folgen. Schon kleine Unsauberkeiten zeigen dir, wo Abläufe verbessert werden können.
Beobachten und lernen
Sitzen die Grundabläufe, folgt der nächste Schritt. Eine aufmerksame, beobachtende Haltung macht den Unterschied. Wer stur eine gelernte Abfolge abspult, reagiert nicht mehr auf veränderte Bedingungen. Besser ist es, mehrere Handlungsmöglichkeiten zu kennen.
Bei stärkerem Wind gehören Fehler zur Realität. Je mehr Wind, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass etwas nicht perfekt läuft. Deshalb lohnt es sich, Fehlersituationen bewusst zu üben. Am besten bei einfachem Wetter.
Ein Beispiel:
Du verpasst bei der Wende das Shiften der Fock. Nach der Wende steht sie back.
Wie reagiert das Boot? Meist drückt der Wind das Schiff vom Am-Wind-Kurs weg. Die zu dicht stehenden Segel erzeugen Krängung, aber kaum Fahrt. Das Boot verliert Manövrierfähigkeit. Intuitiv steuert man dagegen. Oft reicht das nicht. Löst du zusätzlich die Grossschot, liegt das Schiff beigedreht. Ein stabiler Zustand. Doch funktioniert das noch, wenn du bereits fast auf Halbwindkurs bist.
Solche Situationen bewusst zu testen bringt Erfahrung.
Kennst du das Verhalten deines Schiffs, kannst du es jederzeit wieder unter Kontrolle bringen.
Die Manöver aus der Segelschule bilden die Basis. Sicher segeln bedeutet, ein Schiff wirklich kennenzulernen. Beobachten, lernen, ausprobieren, verbessern und wieder beobachten. Entscheidend ist eine neugierige und gleichzeitig risikobewusste Haltung.
Wer nicht gleich allein unterwegs sein möchte, findet Gleichgesinnte am einfachsten bei den Events der SailCom.