Wie der Bullenstander vor der Patenthalse schützt.

Ein kleiner Winddreher und schon passiert es. Der Baum, der beim Vorwindkurs voll ausgefiert ist, setzt sich in Bewegung und schlägt beschleunigt auf die andere Schiffsseite. Eine Patenthalse. Dieses Manöver kann für die Crew gefährlich werden. Auch dem Material schadet eine Patenthalse. Sie lässt sich mit einem einfachen Mittel vermeiden. Dem Bullenstander.

von Marcel Trachsel

Die Steuerfrau ändert den Kurs und fällt vom Raumkurs in den Vorwindkurs ab. Sie fiert das Grosssegel auf Backbord vollständig aus, der Vorschoter nimmt die Fock auf Steuerbord. Der Schmetterling steht. Weil das Boot nun fast exakt in Windrichtung fährt, ist der scheinbare Wind gering. Die Situation wirkt ruhig und entspannt.

Gerade diese Ruhe ist tückisch. Die Steuerfrau muss den achterlichen Wind ständig beobachten und den Kurs bei Bedarf korrigieren. Schon eine kleine Änderung der Windrichtung kann eine Patenthalse auslösen.

Greift der Wind plötzlich von der Leeseite ins Grosssegel, schwingt der Baum mit grosser Kraft über das Heck auf die andere Seite des Boots. Die Gefahr ist gross, dass der Baum Personen trifft, schwer verletzt oder sogar über Bord schleudert. Auch das Material leidet unter einer Patenthalse. Schlägt der beschleunigte Baum in ein Backstag oder eine Wante, können diese brechen. Ebenso sind Beschläge und Blöcke der Grossschot stark gefährdet.

Der Bullenstander

Neben aufmerksamem Steuern gibt es eine einfache und sehr wirksame Sicherheitsmassnahme gegen das unkontrollierte Umschlagen des Baums. Den Bullenstander.

Der Bullenstander ist eine Leine, die an der Baumnock befestigt wird. Nach dem Ausfieren des Grosssegels führt man diese Leine nach vorne zu einem festen Punkt im Bugbereich, meist zu einer Klampe, und belegt sie dort dicht. Die Grossschot bildet dabei den Gegenzug. Wenn am Schiff eine passende Umlenkrolle oder eine Öse vorhanden ist, lässt sich die Leine auch zurück ins Cockpit führen.

Wichtig bleibt der richtige Umgang mit dieser Sicherung. Vor einem Manöver muss der Bullenstander gelöst werden. Bleibt er belegt, kann das Schiff auf dem neuen Kurs mit quer stehendem Grosssegel manövrierunfähig werden und stark krängen.

Ist der Bullenstander an der Bugklampe belegt, kann das Lösen bei stärkerem Wind oder auf grösseren Booten schwierig werden. Deshalb liegt die Entscheidung letztlich bei der Skipperin oder beim Skipper. Sie oder er muss jeweils abschätzen, ob der Sicherheitsgewinn durch den Bullenstander grösser ist als die möglichen Nachteile während eines Manövers.

Im Titelbild ist der “Bullenstander” übrigens die rote Leine rechts unten im Bild. Wenn Du ein besseres Foto hast, darfst Du es uns gern zusenden…

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