Auf die Frage, welches Trimminstrument man behalten würde, wenn nur eines erlaubt ist, sagen viele Regattierer auf Langstrecken: Das Achterstag! Präzise geantwortet hängt das von den vorherrschenden Windrichtungen ab, aber die Antwort unterstreicht die Beliebtheit beziehungsweise Wirksamkeit. Der Grund liegt darin, dass das Achterstag, falls das Vorstag deutlich unterhalb des Masttops montiert ist, gleich mehrere günstige Wirkungen entfaltet. Mehr Twist, also Verdrehung eines Segels nach oben hin, ein flacherer Bauch im Gross sowie mehr Spannung am Vorstag für die Fock.
Bei wenig Wind ist das Achterstag entspannt. Nimmt der Wind zu, ist zunächst das Ziel, das Segel dem Windverlauf entlang des Masts anzupassen. Je weiter oben am Mast man misst, desto seitlicher weht der Wind. Nimmt der Wind weiter zu, zielt man darauf ab, die Krängung zu reduzieren. Auf der Massnahmenseite muss das Segel aus der Perspektive des Windes flacher getrimmt werden. Eine zusätzliche, doppelte Wirkung entsteht, wenn die wirksame Segelfläche oben am Mast reduziert wird, also weniger Fläche dort, wo die Hebelwirkung am grössten ist. Um Segelfläche des Grosssegels wegzutrimmen, reduziert man die Spannung am Achterliek. Das Segel kann dadurch nach oben dem Wind ausweichen beziehungsweise sich in Windrichtung wegdrehen.
Genau diese Effekte löst das Achterstag aus. Durch die Mastbiegung in mittlerer Höhe wird das Gross flach gezogen. Der nach achtern geneigte Mast entspannt das Achterliek, was dem Segel erlaubt sich zu twisten. Als Bonus wird das Vorstag gestreckt, was ebenfalls nötig ist für eine gute Performance.
Beim Trimmen stellt sich jeweils die Frage nach dem Mass. Wichtig beim Gross ist, primär und hinsichtlich Achterstag insbesondere, dass das Vorliek in Windrichtung steht und der oberste Windfaden am Achterliek gerade noch nach hinten ausweht. Das heisst, er klappt nur selten im Lee nach vorne. Bei kurzen Bäumen wie bei einer J70 etwa in 80 bis 90 Prozent der Zeit nach hinten, bei längeren Bäumen wie bei einer J80 über 95 Prozent der Zeit. Zuerst zieht man also am Achterstag, bis sich die gewünschte Segelform abzeichnet. Mit dem Cunningham streckt man den Segelbauch nach vorne und flacht das Segel weiter ab. Das ist die Grundeinstellung.
Für das laufende Feinjustieren kann man den Twist mit dem Baumniederholer fein abstimmen oder am Wind, wenn man den Traveller nutzt, mit der Grossschot. Der Traveller definiert in diesem Modus primär den seitlichen Winkel des Baums, die Grossschot primär den horizontalen. Zieht man den Baum nach unten, schliesst sich das Achterliek, was den Twist reduziert, und umgekehrt. Den unteren Drittel des Segels zieht man mit dem Unterliekstrecker flacher.
Das Achterstag, daher die eingangs erwähnte Beliebtheit, deckt also die primäre Einstellung gemäss Windstärke ab. Da heutzutage Segel mit dem Mast als ein Gesamtsystem betrachtet und gerechnet werden, ist dieses System so dimensioniert, dass der eingezogene Grossbauch gerade gut zur Biegung am Masttop passt.
Bei stürmischen Winden beginnt man den Baum nicht mehr nach der Windrichtung zu stellen, sondern nach der Krängung. Die Gross-Trimmerin oder der Gross-Trimmer ist also laufend aktiv, um je nach Böensituation die seitliche Lage des Schiffs konstant zu halten, gemäss dem definierten Soll-Seitentrimm. Dabei kann das Gross annähernd seitlich zum Schiffsrumpf stehen. Das ist kein Problem und kann sinnvoll sein. In dieser Extremstellung dient das Gross primär als Balance, damit die nunmehr dominante Fock das Schiff nicht leegierig macht.
Wenn das Gross an die Grenze des Flatterns kommt, muss der Twist reduziert werden. Twist erlaubt dem oberen Segelbereich sich stärker in den Wind zu stellen. Ein flaches Segel bleibt hingegen wichtig, damit ein möglichst kleiner Beitrag zur Krängung entsteht. Daraus ergibt sich beim Einsatz des Achterstags ein Zielkonflikt beziehungsweise ein Optimierungsproblem. Es wird mit wenig Achterstag gelöst, weil Flattern das Segel beschädigt.
Also daran denken. Bei zunehmendem Wind mit dem Achterstag spannen, bis der Effekt bei Sturm nicht mehr ausreicht und mit dem Grossbaum depowered werden muss. Und zurück im Hafen das Achterstag unbedingt wieder entspannen.