{"id":60180,"date":"2026-01-31T23:15:45","date_gmt":"2026-01-31T22:15:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sailcom.ch\/?post_type=scm_magazin&#038;p=60180"},"modified":"2026-03-09T13:50:51","modified_gmt":"2026-03-09T12:50:51","slug":"bei-leichtwind-die-rollwende","status":"publish","type":"scm_magazin","link":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/magazin\/bei-leichtwind-die-rollwende\/","title":{"rendered":"Segelpraxis: Die Rollwende"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"60180\" class=\"elementor elementor-60180\" data-elementor-post-type=\"scm_magazin\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-e305b6d e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"e305b6d\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-597ffdd elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"597ffdd\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p class=\"western\"><strong><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Bei wenig Wind schnell wenden oder m\u00f6glichst viel Geschwindigkeit durch die Wende mitzunehmen, ist f\u00fcr Regattierende wichtig, und auch die Freizeitkapit\u00e4nin freut es. Dazu ist die Rollwende das geeignete Mittel. Sie setzt voraus, dass die Crew w\u00e4hrend des Man\u00f6vers drei koordinierte Gewichtverlagerungen von einer Seite des Schiffs zur anderen vornimmt. Doch das ist gar nicht so einfach.<\/span><\/strong><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Wenn man ein Segelschiff \u00fcber die L\u00e4ngsachse hin und her bewegt, generiert dies Fahrt. Eine J70 beispielsweise f\u00e4hrt so angetrieben ganz ordentlich vorw\u00e4rts, auch ohne Segel, nur dank des Kielprofils. Vor dem Start von J70 Regatten &#8211; bei denen der Motor wegen Kollisionsgefahr demontiert werden muss &#8211; ist Schwanken der \u00fcbliche Vortrieb, wenn der Wind fehlt. <\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">W\u00e4hrend Regatten ist Schwanken jedoch streng verboten. Mit einer Ausnahme: Die maximal drei erlaubten Seitenwechsel bei der Rollwende. Warum? Veranstalter haben ein Interesse an fairen, spannenden Wettk\u00e4mpfen. Bei sehr wenig Wind ist aber damit zu rechnen, dass Schiffe um Wendebojen zum Stehen kommen, so dass diese kaum mehr man\u00f6vrierbar sind. In der Folge entsteht Stauwirkung, was den Wettbewerb f\u00fcr die nun ankommenden Schiffe verzehrt: diese m\u00fcssen entweder Umwege in Kauf nehmen oder sie haben das Gl\u00fcck, dass eine engere Bahn frei wird. Damit Regatten nicht beim Dr\u00e4ngeln entschieden werden, m\u00fcssen Schiffe z\u00fcgig um die Wendebojen. Zudem haben Schiffe in der Wendephase, ohne Zug in den Segeln, null Vortritt, was den Druck auf die Crews noch weiter erh\u00f6ht. Ohne Rollwende riskiert ein Team also nicht nur Stillstand, sondern auch Strafmassnahmen. Also schnell um die Boje herum und nichts wie weg.<\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i>Der Anfahrkick und -wirbel \u2013 der wirksamste Teil zuerst<\/i><\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Schafft man es um die Boje, folgt der immer erlaubte zweite Teil der Rollwende: Der Kick f\u00fcr einen Anfahrtswirbel. Ein Segelschiff f\u00e4hrt im \u201eAuftriebsbereich\u201c (im Gegensatz zu einer Staustr\u00f6mung), weil die Segel \u201ainduziert\u2018 umstr\u00f6mt werden, das heisst Wind fliesst kontinuierlich im Luv nach achtern und im Lee wieder nach vorne. Diese Umstr\u00f6mung addiert bzw. \u00fcberlagert sich mit dem eingehenden Wind, so dass deutliche Druckunterschiede Vortriebskr\u00e4fte erzeugen; nur etwa ein Drittel davon bewirkt der eingehende Wind. Die Umstr\u00f6mung wird von einem zweiten Wirbel hinter dem Segel angestossen (bzw. induziert) und stabil gehalten. Dieser zweite Wirbel lenkt den Wind wie eine Walze um das Achterliek. Selbst wird er w\u00e4hrend der Fahrt erhalten, weil nicht der ganze Wind die Kurve um das Achterliek kriegt. Um nun diesen zweiten, hinteren Wirbel aufzubauen, braucht es etwas Energie, welche bei schwachem Wind und kaum Fahrt nicht gegeben ist. Indem man das Schiff seitlich nach Luv schwenkt, l\u00f6st man unmittelbar den Wirbel hinter dem Segel aus, der dann die tr\u00e4gere Umstr\u00f6mung des Segels erm\u00f6glicht. Das Schiff beschleunigt.<\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Wendet man, reissen die beiden Wirbel des Gross ab. Mit einem etwas knackigen Seitenwechsel der Crew l\u00e4sst sich das Wirbelsystem aber wieder gezielt aufbauen plus eine Startbeschleunigung mitgeben: Bei schwachem Wind befindet sich die Crew auf der Schiffsseite der Boje (wichtig auch f\u00fcr einen kurzen Drehweg); bei viel Wind passt sie sich den Verh\u00e4ltnissen an. Sobald das Schiff gewendet und das Gross am Traveller auf den neuen Kurs eingestellt ist \u2013 wenn man will auf das Kommando \u201ego\u201c \u2013 bewegt sich die Crew, der vordersten Person folgend, z\u00fcgig so weit auf die Luv-Seite, dass der Mast maximal vertikal steht; mehr w\u00e4re riskant, weil die Segel folgen k\u00f6nnten. Die gew\u00fcnschten Kreisstr\u00f6mungen sind initiiert. Bei schwachem Wind, wo die Segel dem Gewicht der Crew folgen,\u00a0 bewegt sich diese sodann <\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i>kontrolliert<\/i><\/span><span style=\"font-family: Arial, serif;\">\u00a0zur\u00fcck auf die Lee-Seite, um die nun vortreibenden Segel nicht zu st\u00f6ren, bis der Seitentrimm f\u00fcr die Fahrt optimal ist. Damit sind zwei der drei \u201aJoker\u2018 zum Schwanken gem\u00e4ss Regatta-Reglement gespielt.<\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i>Der sanftere Kick zum Anfang der Rollwende<\/i><\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Bei schwachem Wind sitzt die Crew auf der Seite der Segel, damit deren Gewicht sie in Form h\u00e4lt. Bei der Wende wechselt die Crew die Seite, gefolgt von den Segeln. Dieser erste, notwendige Seitenwechsel kann genutzt werden, um die Phase mit Vortrieb zu verl\u00e4ngern: Dank wohldosierten Schwenkens bleiben die induzierten Wirbel l\u00e4nger erhalten, das heisst das Schiff bremst nicht und f\u00e4hrt sogar \u00fcberm\u00e4ssige H\u00f6he. Nach dem \u00dcbergang sitzt die Crew auf der richtigen Seite f\u00fcr eine effiziente Bogenfahrt, wie auch f\u00fcr den zweiten Teil der Rollwende. Falls das Schiff vor der Wende ausreichend gut l\u00e4uft, k\u00f6nnen sehr ge\u00fcbte Crews mit einem einge\u00fcbten Kick fast gegen den Wind fahren. Das Timing soll perfekt passen und die gefahrene Kurve bis zum Abfallen genau sitzen; stark steuern bremst, zu z\u00f6gerlich drehen ergibt zu viel Weg ohne Vortrieb w\u00e4hrend des Abfallens.<\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><i>F\u00fcr die Steuerperson<\/i><\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Sobald ein Schiff Gewicht hat, wie es bei Yachten der Fall ist, kommt Tr\u00e4gheit ins Spiel. Diese ist positiv, um Fahrt durch die Wende mitzunehmen, wirkt sich aber negativ aus, wenn das Man\u00f6ver misslingt. Dann dauert es, bis das Boot wieder Tempo aufgenommen hat; ohne Fahrt erh\u00e4lt sich das angestossene Wirbelsystem nicht. Fahrt zu erhalten ist also ein absolutes Muss. Wesentlich ist, dass das Ruderblatt nur langsam bewegt wird, weil es sonst Wirbel im Wasser ausl\u00f6st, die unmittelbar bremsen. Kontinuierlich langsam bewegt, wird Fahrenergie effizient in Drehenergie umgewandelt. Die Steuerperson lenkt also zunehmend ein bis zum Scheitelpunkt der Kurve, um dann wieder kontinuierlich aus der Drehfahrt exakt in den neuen Kurs \u00fcberzugehen. Gut ist, wenn man sich vor der Wende schon merkt, welchen Punkt man anpeilen wird und welche Pinnenauslenkung sich beim Scheitelpunkt bew\u00e4hrt. <\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Drehfahrt verursacht Widerstand. Wird ein gr\u00f6sserer Bogen gefahren, ist der Widerstand deutlich geringer, wirkt aber l\u00e4nger auf das Schiff ein: ein Optimierungsproblem, bei welchem zus\u00e4tzlich der Vortrieb der Segel zu ber\u00fccksichtigen ist. Bei schwachem Wind findet man bei den meisten Bootstypen das Optimum, indem man so eng einlenkt, wie es das Ruderblatt erlaubt, um dann eine kurze Weile bei der optimalen Pinnenauslenkung am Scheitelpunkt zu verharren; die Optimierungsfrage reduziert sich auf die maximale Auslenkung.<\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Im Training habe ich die besten Erfahrungen gemacht, wenn ich die Steuerpersonen ihren Wendeablauf memorisieren liess (zur \u00dcberpr\u00fcfung die Zeit mass) und sie dann anwies, einige Wenden lang nur nach hinten auf den Wasserfluss entlang der Pinne zu schauen (egal, wie zielgenau die Wende dann ausging). Lerneffekt: \u00dcblicherweise wird die Wende zu intensiv eingeleitet, zu ruckartig gesteuert, was zu deutlicher Bremswirkung am Ruder f\u00fchrt. Erst wenn die Ruderf\u00fchrung passt, lohnt es sich die Geschwindigkeit vor und nach der Wende zu messen.<\/span><\/p><p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Fazit: Die perfekte Wende ist eine Crew-Leistung und braucht Training. Falls eine Crew neu zusammengestellt ist, liegt der Fokus auf dem Anfahrtskick nach der Wende und der wirbelfreien Ruderf\u00fchrung. <\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-d88f400 e-flex e-con-boxed e-con e-parent\" data-id=\"d88f400\" data-element_type=\"container\" data-e-type=\"container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"e-con-inner\">\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rollwende erleichtert bei Leichtwind die Wende und geh\u00f6rt auch zum R\u00fcstzeug eines Regatta-Teams. Wie sie funktioniert &#8211; bei wenig und gutem Wind &#8211;  und wieso sie funktioniert. <\/p>\n","protected":false},"author":3736,"featured_media":60767,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","scm_category":[611],"scm_tag":[615],"class_list":["post-60180","scm_magazin","type-scm_magazin","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","scm_category-regatta","scm_tag-manoeuvre"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/scm_magazin\/60180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/scm_magazin"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/scm_magazin"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3736"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=60180"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/scm_magazin\/60180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":60945,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/scm_magazin\/60180\/revisions\/60945"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/60767"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=60180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"scm_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/scm_category?post=60180"},{"taxonomy":"scm_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sailcom.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/scm_tag?post=60180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}